Kondenswasserbildung fördert den Verfallsprozess der Materialien, hier am Gebäude



Kondenswasser auf der Außenhaut des Teleskops



Abbauprozess der gealterten Beschichtung



Fragile Lackschollen blättern ab und rieseln in die Mechanik



Hauptspiegel mit geöffneter Irisblende



Hauptspiegel mit geschlossener Irisblende



Mechanik am Tubus zum Bewegen der Irisblende

Astronomiepark Hamburg

1m-Spiegelteleskop, Hamburger Sternwarte

Astronomiepark Hamburg

Auftraggeber: Förderverein Hamburger Sternwarte
Ausführung: Alscher-Restaurierung 2011–2012

Aus Technik-historischer Sicht kann das 1m-Spiegelteleskop, neben den anderen großen Teleskopen auf der Hamburger Sternwarte, als eines der wichtigsten und bedeutungsvollsten Instrumente hervorgehoben werden. Es ist eines der ersten großen Spiegelteleskope der Firma Carl Zeiss, die den Wendepunkt von der klassischen Astrometrie zur modernen Astrophysik anhand der damit verbundenen Um-und Anbauten heute noch beispielhaft belegen kann. Jahrzehntelang lag dieses Präzisionsinstrument in einem „Dornröschenschlaf“. Es ist nach über 100 Jahren noch voll funktionsfähig und erfüllt trotzdem die höchsten Ansprüche an Authentizität und Integrität der gealterten Konstruktion eines Technik-Denkmals, wie sie von der UNESCO-Weltkulturerbe-Kommission gefordert werden. Dieser Erhaltungszustand ist eine ganz besondere Seltenheit, vergleichbare Instrumente sind in der Vergangenheit überholt, renoviert und modernisiert worden und haben damit Ihre historisch wertvollen Gebrauchspuren verloren. Bei den 2012 abgeschlossenen Restaurierungsmaßnahmen sind genau diese Spuren der Vergangenheit erhalten worden.

„Walter Baade, einer der bedeutendsten Astronomen des 20. Jahrhunderts, hat hier in den 1920er Jahren seine bahnbrechenden Arbeiten zu den Sternpopulationen begonnen. Das 1m-Spiegelteleskop-Gebäude ist daher ein Meilenstein auf dem Weg zum Weltkulturerbe.“ (Gudrun Wolfschmidt).

Durch die Konservierung und Restaurierung Technischen Kulturguts kann der geschichtliche Transfer von Entwicklungsphasen der Technik durch deren Hinterlassenschaften gesichert werden. Doch erst mit dem Bewusstsein für Herstellungstechniken und Gebrauchsspuren, sowie für die Wahrnehmung eines technischen Objekts in aktiver Funktion, lassen sich Konzepte erstellen, die den unwiederbringlichen Wert der historischen und materiellen Authentizität des jeweiligen Objekts bewahren.
Die Umsetzung dieser Konzepte ist gerade auf dem Gebiet des Technischen Kulturguts nicht immer einfach und wird häufig kontrovers diskutiert. In diesem Zusammenhang war es den feinsinnigen Überlegungen des Fördervereins der Hamburger Sternwarte (FHS) zu verdanken, dass bei der Erhaltung dieses besonderen Instruments ein ebenso besonderes Konzept zum Einsatz kam: Die Erhaltung in Funktion unter Wahrung historisch bedeutender Gebrauchsspuren sowie aller heute nicht mehr funktionsrelevanten Um- und Anbauten.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann zu Besuch

Kulturstaatsminister Bernd Neumann zu Besuch bei den Restaurierungsarbeiten am 1m-Spiegelteleskop der Hamburger Sternwarte. Restaurierungsethik ist auch für Bernd Neumann ein wichtiges Thema. Restauratorin Beatrix Alscher reicht dem Kulturstaatsminister ein über einhundert Jahre altes Handrad, das dieser interessiert begutachtet.

Sternwarte Hamburg